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SEO für kleine Unternehmen: Wann es sich lohnt und wann nicht

5 Min. LesezeitTobias Holfoth
SEO für kleine Unternehmen: Wann es sich lohnt und wann nicht
SEO Strategie Ausarbeitung

Ratgeber zu diesem Thema gibt es reichlich, und die meisten erklären dasselbe: wie SEO funktioniert und warum man es machen sollte. Wie viel dabei herauskommt, sagt fast keiner.

Wir haben es an der eigenen Website gemessen. Die Zahlen fallen schlecht aus. Sie stehen trotzdem hier, weil ein Ratgeber ohne eigene Zahlen wenig wert ist.

Sechs Monate, 1.371 Einblendungen, sechs Klicks

Am 5. August 2026 haben wir die Google Search Console für holfoth-it.de zum ersten Mal vollständig ausgewertet. Das ist Googles kostenloses Werkzeug, und es zeigt für jede Suchanfrage, wie oft eine Website eingeblendet wurde, auf welcher Position sie stand und wie oft jemand daraufhin geklickt hat.

Für den Zeitraum vom 2. Februar bis zum 2. August 2026 stand dort: 119 Suchanfragen, 1.371 Einblendungen, 6 Klicks. Klickrate 0,44 Prozent.

Vier dieser sechs Klicks kamen über den Firmennamen, also von Leuten, die uns bereits kannten und nur die Adresse nicht im Kopf hatten. Die anderen zwei kamen über einen einzigen Begriff, Webdesign plus Ortsname. Alles zusammengerechnet, was nicht der Firmenname war, ergibt 1.287 Einblendungen und zwei Klicks.

So sieht der Normalzustand einer Website aus, die nie an Suchanfragen ausgerichtet wurde. Wahrscheinlich sieht Ihre ähnlich aus. Nur wissen Sie es nicht, solange Sie nicht nachgesehen haben.

Wann sich SEO rechnet und wann nicht

Die ehrliche Antwort beginnt mit einer Zahl, die Sie sich beschaffen können, bevor Sie irgendetwas ausgeben: wie oft in Ihrem Einzugsgebiet nach Ihrer Leistung gesucht wird.

Für „webdesign esslingen" nennen die Keyword-Datenbanken rund 90 Suchen im Monat. Esslingen ist eine Große Kreisstadt. Rechnen Sie das durch: Selbst auf Platz eins klickt nur ein Teil dieser 90, von den Klicks wird ein Teil eine Anfrage, von den Anfragen ein Teil ein Auftrag. Das füllt keinen Kalender. Lohnen kann es sich trotzdem, aber nur, wenn ein einzelner Auftrag bei Ihnen genug einbringt, dass ein paar davon im Jahr die Arbeit tragen. Diese Rechnung kann Ihnen niemand abnehmen, und sie fällt beim Dachdecker anders aus als beim Friseur.

Für unseren eigenen Ort liegt in denselben Datenbanken überhaupt kein Suchvolumen vor, weil er dafür zu klein ist. Gesucht wird da trotzdem, unsere Search Console zeigt Anfragen mit dem Ortsnamen. Planen lässt sich damit nur nicht, weil die Zahl fehlt.

Damit hängt eine Falle zusammen, in die jeder tappt, der zum ersten Mal in ein Keyword-Werkzeug schaut. Diese Werkzeuge geben jedem Begriff eine Schwierigkeit zwischen 0 und 100. Bei kleinen lokalen Begriffen steht dort oft eine 0. Das heißt in aller Regel nicht „mühelos", sondern „zu wenig Daten". Wer darauf ein Angebot baut, verkauft eine Zahl, die keine ist.

In drei Fällen würden wir von einer laufenden SEO-Betreuung abraten.

Wenn Ihre Kunden gar nicht suchen, etwa weil die Aufträge über Empfehlung oder Stammkundschaft kommen, ist die Suchmaschine nicht der Hebel. Ein gepflegtes Unternehmensprofil bleibt sinnvoll, monatliche Arbeit an Suchbegriffen nicht.

Bei bundesweiten Begriffen ohne Ortsbezug stehen Anbieter, die seit Jahren Verweise sammeln. Wir hatten zum Zeitpunkt der Messung sechs verweisende Domains, zwei davon aus eigenen Projekten. Wie viel der Ort ausmacht, zeigt ein etablierter Anbieter aus unserer Region: Für den Begriff mit der Landeshauptstadt steht er auf Platz 18, für eine Kleinstadt in der Nachbarschaft auf Platz 5. Es ist dieselbe Firma mit derselben Domain. Die kleinen Orte sind erreichbar, die großen nicht.

Und wenn Sie längst sichtbar sind und trotzdem niemand klickt, ist mehr SEO die falsche Antwort. Das war unser eigener Fall, er hat weiter unten einen eigenen Abschnitt.

Eines gehört noch vor die Entscheidung und nicht in eine Entschuldigung hinterher: Die Search Console füllt sich nicht rückwirkend. Wer sie heute anbindet, hat morgen einen Tag Historie und nicht sechs Monate. Alles, was aus dieser Quelle kommt, braucht Vorlauf.

Drei Dinge, die nichts kosten

Damit kann jeder anfangen, auch ohne uns.

Search Console anbinden

Das dauert ein paar Minuten, wenn Sie an die DNS-Einträge Ihrer Domain kommen, und es ist der einzige Weg zu belastbaren Zahlen. Wie groß der Unterschied zu geschätzten Daten ist, hat unser eigener Fall gezeigt: Eine Marktdatenbank sah für holfoth-it.de ein einziges Keyword. Die Search Console zählte für dieselbe Domain 53 Suchanfragen, für die wir in den vorangegangenen 28 Tagen tatsächlich eingeblendet worden waren. Marktdaten werden von außen geschätzt und kennen nur Begriffe mit nennenswertem Volumen, die Search Console zählt jede echte Einblendung. Ohne sie messen Sie die falsche Wirklichkeit.

Google-Unternehmensprofil ausfüllen und aktuell halten

Bei Suchen mit Ortsbezug steht die Kartenansicht in der Regel über den normalen Ergebnissen. Öffnungszeiten, Leistungen, Telefonnummer, ein paar echte Fotos, gestellte Fragen beantworten. Einmal ordentlich einrichten, danach gelegentlich nachpflegen, wenn sich etwas ändert.

Adressangaben vereinheitlichen

Firmenname, Adresse und Telefonnummer sollten überall gleich geschrieben sein: auf der Website, im Unternehmensprofil, in Branchenverzeichnissen, in den Social-Media-Profilen. Bei unserer eigenen Prüfung kam heraus, dass ein Verzeichnis die Firma unter dem Nachbarort führt, während die Website den richtigen Ort nennt. Solche Abweichungen erschweren es Google, die Einträge derselben Firma einander zuzuordnen.

Ein vierter Punkt kostet ebenfalls nichts und findet öfter etwas, als man denkt: Sehen Sie in der Search Console nach, ob Ihre Seiten überhaupt im Index stehen. Die URL-Prüfung beantwortet das für jede Adresse einzeln. Bei uns waren 19 von 28 Adressen drin.

Woran Sie erkennen, dass Ihr Problem kein Textproblem ist

Sichtbarkeit ohne Klicks ist ein anderes Problem als keine Sichtbarkeit, und es braucht eine andere Lösung. Wenn Google Sie zeigt und trotzdem niemand kommt, hilft kein zusätzlicher Text. Dann ist etwas kaputt. Vier Befunde aus unserem eigenen Haus, alle am selben Tag gefunden.

Sechs eigene Adressen konkurrierten um denselben Begriff. Ein einziges Thema, unser Ortsname in Verbindung mit SEO, in fünf Schreibweisen, hielt 519 der 1.371 Einblendungen und damit knapp 38 Prozent unserer gesamten Sichtbarkeit. Geklickt hat darauf niemand. Der Grund: Es gab zu diesem Thema keine zuständige Seite. Google fand stattdessen die Startseite, eine Subdomain, die Leistungsseite, die Blogübersicht und weitere Adressen, wechselte zwischen ihnen durch, und keine wurde stark.

Eine Subdomain stand auf Position 9 und hatte keinen DNS-Eintrag mehr. Google führte sie weiter als indexiert, mit erfolgreichem Abruf am 14. Juli 2026. Danach ist der Host verschwunden, ohne dass es jemand bemerkte. Wer in den Ergebnissen darauf klickte, landete im Nichts. Eine kaputte Adresse mit Sichtbarkeit ist schlechter als gar keine Adresse.

27 gemeldete kaputte Links gingen auf einen einzigen Schalter zurück. Ein Dienst vor unserer Website verschleiert E-Mail-Adressen gegen Spam-Sammler und schreibt dafür jeden Mailto-Link auf eine interne Adresse um, die es nicht gibt. Für Besucher mit JavaScript funktioniert der Link. Jeder Crawler meldet einen kritischen Fehler, und zwar auf jeder Seite, deshalb 27-mal. Wer den Befund liest, ohne die Ursache zu kennen, hält eine gesunde Website für ein Wrack.

Die längsten Seiten der Website standen nicht im Index. Sechs von neun Seiten mit jeweils 2.658 bis 3.743 Wörtern fehlten, drei davon kannte Google überhaupt nicht, obwohl sie in der Sitemap standen. Der größte Textbestand der Website war unsichtbar. Noch mehr zu schreiben wäre hier die teuerste Form von Nichtstun gewesen.

Ein fünfter Punkt betrifft alle, die in den letzten Jahren eine neue Website bekommen haben: die alten Adressen. Nach unserem Relaunch hielten 27 Adressen der Vorgängerseite zusammen 2.105 Einblendungen. 17 davon leiteten pauschal auf die Blogübersicht statt auf den jeweiligen Nachfolgeartikel, zehn liefen in einen Fehler, weil die Weiterleitungsregel die Sprachpräfixe der alten Seite nicht kannte. Eine Weiterleitung auf ein thematisch fremdes Ziel wertet Google wie eine Fehlerseite. Die alte Position geht dann nicht auf den Nachfolger über, sie fällt weg.

Wo bezahlte Arbeit anfängt

Alles bis hierhin können Sie selbst machen, und wir würden Ihnen raten, genau dort anzufangen. Was danach Arbeit wird, ist absehbar: herausfinden, wonach in Ihrem Einzugsgebiet tatsächlich gesucht wird, statt zu raten. Festlegen, welche Seite für welchen Begriff zuständig ist, und die anderen aus dem Weg räumen. Die Befunde abarbeiten, die im Code sitzen und an die ein Redaktionssystem nicht heranreicht. Und jeden Monat nachsehen, ob sich etwas bewegt hat, gemessen gegen eine Ausgangszahl, sonst ist jeder Bericht eine Behauptung.

Wir machen das inzwischen auch für Kunden. Was dazugehört und was es kostet, steht auf unserer SEO-Seite, zusammen mit denselben Zahlen, die Sie hier gelesen haben. Was dort nicht steht, ist eine Zusage auf Platz eins. Die kann niemand geben, der die Regeln nicht selbst schreibt.

Der eine Schritt, der sich in jedem Fall lohnt, ist die Search Console. Sie zählt ab dem Tag, an dem Sie sie einrichten. In sechs Monaten haben Sie dann eine Grundlage. Vorher ist jede Aussage über Ihre Sichtbarkeit geraten.

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